LAK Shalom mit eigener Website!

Unter http://shalomsachsen.blogsport.de/ findet ihr die eigene Internetpräsenz des LAK Shalom! 

Selbsverständnis

Wir haben uns als Landesarbeitskreis Shalom (LAK Shalom) in der Linksjugend [’solid] Sachsen zusammengefunden, um gemeinsam gegen jede Form des Antisemitismus und mit ihm verwandte Ideologien oder Ideologeme vorzugehen. Wir wollen aufklärerisch wirken und unseren Teil dazu beitragen diese Welt zu Entmystifizieren.

Wir wollen das deswegen tun, weil der Antisemitismus sowohl in
konkreter als auch struktureller Form nach wie vor ein sehr manifestes
Problem und eine weitverbreitete Ideologie ist. Vor dieser Ideologie
sind auch Personen die sich selbst als “links” kategorisieren nicht
gefeit. Antisemitische Motive, Personifizierungen struktureller Probleme, wüste Verschwörungstheorien und Antizionismus tauchen eben nicht nur bei nazistischen Personenkreisen sondern auch in allen anderen Teilen der Gesellschaft – und dazu gehört auch die Linke - auf.

Der Antisemitismus verstellt nicht nur den Blick auf eine Analyse der
strukturellen Herrschaft des Kapitalismus sondern verunmöglicht
gleichsam seine positive Überwindung. Er produziert weiterhin aus sich
selbst heraus einen Hass auf diejenigen, die er personifiziert für die
Übel dieser Welt verantwortlich macht, und realisiert diesen Hass
oftmals indem er ihn in direkte Gewalt gegen Menschen umsetzt. Aus diesen Gründen und dem historischen Wissen wohin Antisemitismus letztlich führen kann, ist eine Plattform, die sich gegen Antisemitismus wendet, notwendig, solange es Antisemitismus gibt.

Wer sich den Ideen von Emanzipation und Freiheit ernsthaft anschließe möchte und den Kapitalismus positiv überwinden will, muss auch immer gleichsam Stellung Beziehen gegen den Antisemitismus – egal wo er auftritt. Das wollen wir tun.

Wir sehen uns nicht nur als Teil der Linksjugend [‘solid] Sachsen,
sondern auch des Bundesarbeitskreis’ Shalom.

Grundsatzerklärung des BAK Shalom

Die Ent­wick­lun­gen der letz­ten Jahre, be­son­ders nach den is­la­mis­ti­schen An­schlä­gen in New York City am 11. Sep­tem­ber 2001, haben die Vi­ru­lenz deut­lich wer­den las­sen, sich genau mit den The­men un­se­res Bun­des­ar­beits­krei­ses zu be­schäf­ti­gen. Ent­ge­gen ihrer Selbst­ein­schät­zung war die Linke nie ge­feit vor re­gres­si­vem Den­ken.

Ge­samt­ge­sell­schaft­lich gibt es einen er­schre­ckend hohen Pro­zent­satz an an­ti­se­mi­tisch ein­ge­stell­ten Per­so­nen aus allen po­li­ti­schen La­gern und in der Mitte der Ge­sell­schaft. Der An­ti­se­mi­tis­mus ist eine Ideo­lo­gie, die aus einer ka­pi­ta­lis­tisch struk­tu­rier­ten Ge­sell­schaft ent­steht. Er bie­tet eine ideo­lo­gi­sche Welt­er­klä­rung und er­füllt das Be­dürf­nis nach ein­fa­chen Ant­wor­ten. Die kom­ple­xen, abs­trak­ten ka­pi­ta­lis­ti­schen Ver­hält­nis­se wer­den per­so­ni­fi­ziert und die Juden als in­di­vi­du­ell Ver­ant­wort­li­che für die Ver­wer­fun­gen der Mo­der­ne aus­ge­macht.

Die Per­so­ni­fi­zie­rung zeigt sich bei­spiels­wei­se in den Kam­pa­gnen gegen so ge­nann­te „Heu­schre­cken.“ Nicht zu­letzt in der Lin­ken und im ge­werk­schaft­li­chen Spek­trum wird auf diese Weise gegen das Fi­nanz­ka­pi­tal ge­wet­tert. Dies ver­kennt die wi­der­sprüch­li­che To­ta­li­tät ka­pi­ta­lis­ti­scher Ver­ge­sell­schaf­tung und zer­reißt den Zu­sam­men­hang zwi­schen Pro­duk­ti­ons-​ und Zir­ku­la­ti­ons­sphä­re, was an die Tren­nung zwi­schen „raf­fen­dem“ und „schaf­fen­dem“ Ka­pi­tal er­in­nert, die von den Na­tio­nal­so­zia­lis­ten vor­ge­nom­men wurde. Der­ar­ti­gen Ten­den­zen in­ner­halb der Lin­ken ist ent­schie­den ent­ge­gen zu tre­ten.

Heute ma­ni­fes­tiert sich der An­ti­se­mi­tis­mus meist nicht mehr in sei­ner klas­si­schen Ge­stalt. Die Er­mor­dung der eu­ro­päi­schen Juden hat zu einer Ver­schie­bung des an­ti­se­mi­ti­schen Res­sen­ti­ments ge­führt. Die neue Form des „se­kun­dä­ren An­ti­se­mi­tis­mus“ zeigt sich unter an­de­rem im An­ti­zio­nis­mus.

Is­ra­el fun­giert als der „Jude unter den Staa­ten“ (Léon Po­lia­kov). So haben in einer eu­ro­pa­wei­ten Un­ter­su­chung im Jahre 2003 59% der Be­frag­ten Is­ra­el als die größ­te Be­dro­hung für den Welt­frie­den be­zeich­net.

Es ist über­flüs­sig zu be­to­nen, dass es nicht darum geht, jede Kri­tik an Is­ra­el als an­ti­se­mi­tisch zu be­zeich­nen. Die­ser Vor­wurf ver­kennt, dass die Kri­tik an Is­ra­el ge­sell­schaft­lich sehr weit ver­brei­tet ist. Is­ra­el zu kri­ti­sie­ren war nie­mals ein Tabu, weder in der DDR noch in West­deutsch­land. Den­noch wird die For­de­rung, dies tun zu dür­fen immer wie­der als Ta­bu­bruch in­sze­niert und häu­fig ist die Is­rael­kri­tik an­ti­se­mi­tisch mo­ti­viert, wie z.B. die Skan­da­le um Möl­le­mann und Hoh­mann zei­gen.

Is­ra­el ist auch die Staat ge­wor­de­ne Kon­se­quenz aus Ausch­witz und den an­de­ren Ver­nich­tungs­la­gern der Na­tio­nal­so­zia­lis­ten. Der ge­sell­schaft­li­che Um­schlag in die Bar­ba­rei macht einen jü­di­schen Staat als Boll­werk gegen an­ti­se­mi­ti­sche Ver­fol­gung zu einer Not­wen­dig­keit. Des­halb sind wir so­li­da­risch mit Is­ra­el, was auch eine So­li­da­ri­tät mit Ver­tei­di­gungs­maß­nah­men aller Art ein­schließt.

Die deut­sche Linke wird den Nah­ost­kon­flikt nicht lösen. Des­halb geht es uns nicht um kon­kre­te Vor­schlä­ge für ein Vor­an­kom­men des Frie­dens­pro­zes­ses.

Na­tür­lich ist das lang­fris­ti­ge Ziel ein Frie­den, der für beide Sei­ten ak­zep­ta­bel ist. Wir ma­chen je­doch nicht Is­ra­el für ein Sto­cken des Frie­dens­pro­zes­ses ver­ant­wort­lich. So lange die pa­läs­ti­nen­si­sche Re­gie­rung von einer Or­ga­ni­sa­ti­on ge­stellt wird, deren Ideo­lo­gie an­ti­se­mi­tisch ist und die die Zer­stö­rung Is­raels pro­pa­giert, kann es kei­nen Fort­schritt geben. Die Char­ta der Hamas ist offen an­ti­se­mi­tisch und die Spra­che ist die eines eli­mi­na­to­ri­schen Ju­den­has­ses. Der­ar­ti­ge Or­ga­ni­sa­tio­nen dür­fen kei­nen po­si­ti­ven Be­zugs­punkt für pro­gres­si­ve Po­si­tio­nen sein.

Des­halb ver­ur­tei­len wir aufs Schärfs­te die Ver­su­che von ei­ni­gen Ab­ge­ord­ne­ten und Funk­tio­nä­ren der Par­tei DIE LINKE., die Hamas als Ge­sprächs­part­ner ein­zu­la­den. Zu kri­ti­sie­ren ist die Igno­ranz ge­gen­über der re­ak­tio­nä­ren Ideo­lo­gie der Hamas und wei­te­rer Or­ga­ni­sa­tio­nen wie etwa der His­bol­lah.
Eben­so ver­ur­tei­len wir das Schwei­gen eines gro­ßen Tei­les der Lin­ken zur Be­dro­hung Is­raels durch den Iran. Der ira­ni­sche Prä­si­dent ist ein An­ti­se­mit, der Is­ra­el zer­stö­ren möch­te. In sei­nem Auf­trag wer­den Kon­fe­ren­zen mit Ho­lo­caust­leug­nern in Te­he­ran durch­ge­führt. Schwu­le und Les­ben un­ter­lie­gen dem Ter­ror der is­la­mi­schen Sit­ten­po­li­zei und wer­den für ihre Le­bens­wei­se ge­hängt oder ge­stei­nigt.

Ge­ra­de im In­ter­es­se der Men­schen im Nahen Osten tre­ten wir für eine grund­le­gen­de Ver­än­de­rung der Ver­hält­nis­se in die­sen Ge­sell­schaf­ten ein. Zu einer De­mo­kra­ti­sie­rung und Li­be­ra­li­sie­rung gibt es keine Al­ter­na­ti­ve. Auf­ga­be der Lin­ken ist die Un­ter­stüt­zung eman­zi­pa­to­ri­scher Be­we­gun­gen wie der Frau­en-​ und der Stu­die­ren­den­be­we­gung in den ara­bi­schen und is­la­mi­schen Län­dern.

Dass Linke häu­fig re­ak­tio­nä­re Re­gime ver­tei­di­gen statt diese zu kri­ti­sie­ren, re­sul­tiert aus einem ob­so­le­ten An­ti­im­pe­ria­lis­mus, der durch ein ma­nich­äi­sches Den­ken ge­kenn­zeich­net ist. Eine kom­pro­miss­lo­se Ab­sa­ge an den An­ti­im­pe­ria­lis­mus ist die Vor­aus­set­zung für die Neu­kon­sti­tu­ie­rung einer eman­zi­pa­to­ri­schen Ge­sell­schafts­kri­tik.

Das Kern­stück des An­ti­im­pe­ria­lis­mus ist der Hass auf die Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka, auf die alle Übel der Welt pro­ji­ziert wer­den. Im schlimms­ten Fall wird die ver­meint­li­che jü­di­sche Do­mi­nanz an­ge­pran­gert. Dies ist die of­fe­ne Flan­ke hin zum An­ti­se­mi­tis­mus.

His­to­risch be­trach­tet war der An­ti­ame­ri­ka­nis­mus immer im kon­ser­va­ti­ven Spek­trum bzw. bei der ex­tre­men Rech­ten zu ver­or­ten. Die Linke hatte ent­we­der eine po­si­ti­ve Hal­tung zu Ame­ri­ka (1848er Re­vo­lu­tio­nä­re) oder zu­min­dest eine am­bi­va­len­te Po­si­ti­on. Dies ver­än­der­te sich im 20. Jahr­hun­dert vor allem durch den Be­ginn des Kal­ten Krie­ges. Diese Kon­stel­la­ti­on ist durch den Zu­sam­men­bruch der So­wjet­uni­on be­en­det wor­den. Die Mehr­heit der heu­ti­gen Fein­de Ame­ri­kas sind keine na­tio­na­len Be­frei­ungs­be­we­gun­gen mehr, die fort­schritt­li­che Ziele ver­fol­gen, son­dern an­ti­mo­der­ne, frau­en­feind­li­che, an­ti­se­mi­ti­sche Be­we­gun­gen des po­li­ti­schen Islam.

In­so­fern ist es nur kon­se­quent, dass deut­sche Nazis die An­schlä­ge am 11. Sep­tem­ber in New York City be­ju­belt haben. Eben­so wenig er­staunt ihr Hass auf Is­ra­el und ihre So­li­da­ri­täts­auf­ru­fe mit den Pa­läs­ti­nen­sern. Dass das Pa­li-​Tuch heute eher auf Nazi- als auf An­ti­fa-​De­mos zu sehen ist, ist kei­nes­wegs eine Über­nah­me „lin­ker“ Sym­bo­lik, son­dern ideo­lo­gisch ko­hä­rent. Die na­zis­ti­sche Hetze gegen den li­be­ra­len Ka­pi­ta­lis­mus, das Fi­nanz­ka­pi­tal und die Glo­ba­li­sie­rung ist eben­so fol­ge­rich­tig.

Es muss klar sein, dass nicht jede Kri­tik an der bür­ger­li­chern Ge­sell­schaft fort­schritt­lich ist. Na­tio­na­lis­ti­sche und ras­sis­ti­sche Po­si­tio­nen sind kon­se­quent zu­rück­zu­wei­sen und alle Quer­front­ten­den­zen in­ner­halb der Lin­ken zu be­kämp­fen.

Eine eman­zi­pa­to­ri­sche Po­si­ti­on darf weder eine Apo­lo­gie der bür­ger­li­chen Ge­sell­schaft be­trei­ben noch deren abs­trak­te Ne­ga­ti­on for­dern. Ein­ge­denk der ihr in­ne­woh­nen­den Dia­lek­tik geht es um die Be­wah­rung der Er­run­gen­schaf­ten der bür­ger­li­chen Ge­sell­schaft wie z.B. der in­di­vi­du­el­len Frei­heits­rech­te, die not­wen­di­ger­wei­se die Basis für ihre fort­schritt­li­che Auf­he­bung dar­stel­len.

Eine grund­le­gen­de Dis­kus­si­on über die Aus­rich­tung fort­schritt­li­cher Ge­sell­schafts­kri­tik und eine scho­nungs­lo­se Kri­tik von An­ti­se­mi­tis­mus, An­ti­zio­nis­mus, An­ti­ame­ri­ka­nis­mus und re­gres­si­vem An­ti­ka­pi­ta­lis­mus in­ner­halb wie au­ßer­halb der Par­tei DIE LINKE. ist die Auf­ga­be des BAK Shalom.

Die Grün­dung einer Platt­form gegen An­ti­se­mi­tis­mus, An­ti­zio­nis­mus, An­ti­ame­ri­ka­nis­mus und re­gres­si­ven An­ti­ka­pi­ta­lis­mus in­ner­halb des Ju­gend­ver­ban­des Links­ju­gend [’solid] ist seit lan­gem über­fäl­lig. Die Linke in Deutsch­land hat diese The­men nie als zen­tra­len Be­stand­teil ihrer Ge­sell­schafts­kri­tik ge­se­hen.